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Neues Projekt gegen häusliche Gewalt
Nirgends laufen Frauen häufiger Gefahr, Opfer eines Gewaltdelikts zu werden als im eigenen Zuhause – ganz gleich in welcher Stadt sie wohnen oder welcher sozialen Schicht sie angehören.

 

60 bis 70 Prozent der Opfer kehren wieder zu ihrem Partner zurück, jedoch bisher weitgehend unbegleitet. Hier setzt das „Fair-Streit-Training“ der Stuttgarter Ordnungspartnerschaft gegen häusliche Gewalt (STOP) an. Das neue Projekt startet am 17. September mit einer Pilotgruppe von fünf Paaren.

Das Programm wurde für Paare konzipiert, die bereit sind, ihr eigenes Konfliktverhalten kennen zu lernen und daran zu arbeiten. Denn bei einem Drittel aller Fälle beginnt die Gewaltspirale durch die gewohnten Verhaltensweisen nach einiger Zeit wieder von vorne.

Karl-Heinz Moosig, der das methodische Konzept entwickelt hat, sowie eine Mitarbeiterin der Fraueninterventionsstelle (FIS) und ein Mitarbeiter der Männerinterventionsstelle (MIS) leiten die Pilotgruppe an fünf Abenden an. Sie geben den Paaren Strategien an die Hand, um gemeinsam zukünftige Gewalthandlungen zu vermeiden. Die Betroffenen lernen ihr eigenes Konfliktverhalten kennen, erfahren, wie sie faire Streitgespräche führen und Konflikte lösen, ohne Gewalt anzuwenden. Die Trainer ermutigen die Paare, neue Verhaltensmuster während einer Streitsituation auszuprobieren.

Insbesondere Kindern, die in gewaltbereiten Familien leben, hilft eine veränderte Streitkultur innerhalb der Familie, um der Gewaltspirale zu entkommen. Studien belegen, dass Kinder, die in ihren Familien Gewalt erleben, später selbst dazu neigen, gewalttätig zu sein oder Opfer von Gewalt zu werden. Diese Kette soll durch das Vorleben von fairen Streitgesprächen gebrochen werden.

Die städtische Abteilung für individuelle Chancengleichheit von Frauen und Männern der Stadt hat das Projekt gemeinsam mit dem Entwickler Karl-Heinz Moosig, der FIS und MIS an die Bedürfnisse von betroffenen Paaren angepasst und finanziert einen Teil der Kosten. Die Abteilung begleitet das Fair-Streit-Training in der Projektphase.

Einen weiteren Teil der Kosten übernimmt der Soroptimist Club Stuttgart Zwei, ein internationales Netzwerk berufstätiger Frauen. Die Förderung entspricht den Zielen des Clubs, gesellschaftspolitisches Engagement für Frauen, Menschenrechte, Gleichheit und Frieden zu leisten.

Die Präsidentin des Soroptimist Clubs Stuttgart Zwei, Waltraud Gross-Schlichting erklärt: „Die Entscheidung unseres Clubs für das Fair-Streit-Projekt beruhte auf der Überlegung, dass in aller Regel bei häuslicher Gewalt auch Kinder betroffen sind, die durch die Prägung in einem solchen Milieu das erlebte Verhalten möglicherweise auf spätere Partnerschaften und Familien übertragen. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, Gewalt in Familien zu reduzieren.“

Nach Abschluss der ersten Trainingsphase wird das Projekt ausgewertet. Geplant sind weitere Fair-Streit-Trainings mit betroffenen Paaren im nächsten Jahr. Hierzu werden noch Sponsoren gesucht.

Einer Studie nach ist in Deutschland jede vierte Frau über 16 Jahren Opfer von körperlicher und/oder sexueller Gewalt durch den Partner geworden. In Stuttgart gibt es pro Jahr zwischen 600 und 700 Polizeieinsätze gegen häusliche Gewalt. In mehr als jedem zweiten Einsatz im Jahr 2009 war die Tat so schwerwiegend oder die Situation so bedrohlich, dass die Polizei einen mündlichen Platzverweis aussprach, bei dem der Täter die Wohnung verlassen musste.

Mit diesem Platzverweis beginnt seit 2001 das Interventionsverfahren der Stuttgarter Ordnungspartnerschaft gegen häusliche Gewalt (STOP). Vertreter aus dem polizeilich-juristischen und dem psychosozialen Bereich arbeiten zusammen, um in einem aufeinander abgestimmten Verfahren zeitnah den Opfern zuverlässigen Schutz und Unterstützung anzubieten, die Täter konsequent strafrechtlich zu verfolgen und mit Beratung und Anti-Gewalttraining ihr Verhalten in Konfliktsituationen zu ändern.

 





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